| Schloss vor Nordend Jochen Klepper besuchte das Schloss im April 1935, er schrieb dazu im Tagebuch: Wir sind vormittags nach Elisabeth Christines Schloß Niederschönhausen hinausgefahren, im Park spazieren zu gehen. Außergewöhnlich viel vom Schicksal, das hier gelebt wurde, hat sich hier erhalten - das halbe Jahrhundert der Enttäuschung, das die Königin hier verbrachte, prägt noch alles. Und daß die hohen Glastüren des Schlosses mit Brettern verschalt sind, scheint völlig symbolisch: zu der Erinnerung an ihre erste wahre Königin sollten die Preußen keinen Zugang haben. Paretz ist Flucht, Niederschönhausen Verbannung. Nichts von den Dingen, die jener Zeit als Freundlichkeit und Vornehmheit erschienen, wurde der Königin für ihren Garten gegeben: die Allee ist ohne Statuen, der Rasen ohne Brunnen, die Pergola aus billigem Holz. Noch heut ist Niederschönhausen aus dem Kreis der so gepflegten Königlichen Schlösser und Gärten herausgeschnitten: der Park verwildert, kaum, daß man noch die Wege säubert. In der Stimmung dieses Frühlingsvormittags enthüllte sich viel vom »Geist der Stätte« - die ersten blühenden Sträucher unter den kahlen, riesigen, bizarren Bäumen, den Fragmenten der Alleen, am Saum der andringenden Stadt. (c) Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar Das Schloß - nach dem Krieg erst durch die sowjetische Militärverwaltung benutzt - wurde mit Gründung der DDR an ihre Regierung übergeben und von ihr genutzt. Zuerst als Amtssitz des ersten und einzigen Präsidenten Wilhelm Pick, dann durch den Staatsrat, ab 1964 als Gästehaus der DDR-Regierung. Einer der letzten Gäste war im Oktober 1989 Michael Gorbatschow. Das Gelände des Schlosses war so zu DDR-Zeiten für einen normalen Bürger nicht zu betreten. Der Majakowskiring, eine in naher Nachbarschaft liegende kreisförmige Straße war zu Beginn der DDR der Wohnort vieler ihrer Spitzenpolitiker, wie Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Johannes R. Becher, Erich und Margot Honecker. Das „Städtchen“ wurde diese Gegend genannt , sie war am auch Anfang abgeriegelt und bewacht, doch nach dem Wegzug der Politik ab 1972 wieder für die Öffentlichkeit betretbar. Hilde Benjamin wohnte hier ab 1952, erst im Majakowskiring 59, ab 1970 im Majakowskiweg 18/20 (dem heutigen Rudolf-Dietzen-Weg) bis zu ihren Tode im April 1989. Die für das Ende der DDR so wichtigen und typischen Sitzungen des Runden Tisches oder den Zwei-plus-Vier-Verhandlungen im benachbarten Schloss erlebte sie nicht mehr. Heute ist der Majakowskiring eine exquisite Wohngegend. Die Farbe an den Villen ist fast immer frischer als die an den Villen von Westend. Das Schloss und sein Park sind durch die „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg“ aufwendig wiederhergestellt. Das Schloss ist jetzt so schön, wie seit bestimmt zweihundert Jahren nicht mehr. Jeder kann es jetzt besichtigen und in seinem Park spazieren gehen. Das ist sehr zu empfehlen, und am besten dabei summen: “Pankow, Pankow, Pankow, kille, kille, kille, Pankow, kille, kille, Hopsasa“. Doch Vorsicht: Nach Alfred Kerr ist jedes Wort ein Gehirnschlag. |